Der folgende Bericht ist ein
Teil der Lebensgeschichte, die mein Großvater zu Papier gebracht hat,
als er durch ein körperliches Leiden zur
Untätigkeit gezwungen wurde. Ich habe seine Ausführungen
nur geringfügig gekürzt, wo es für den außenstehenden Leser uninteressant
sein würde.
Cekora
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Die Zeit in Kamerun
Original-Text: Otto Köthe
(Text und Bilder: © CEKORA)
Ausnahme: Bilder Adolph Woermann und
Afrika-Haus
Im September 1893 war ich in Hamburg auf
Arbeitssuche und nahm Fühlung mit der Firma
Jantzen & Thormählen auf. Auf meine Bewerbung kam auch sofort die Einladung
zu einer Vorstellung und ohne weiteres ein Vertragsabschluß auf drei Jahre
als Assistent für die Kamerun- Land- und Plantagen-Gesellschaft nach der
Plantage "Kriegsschiffhafen" bei Victoria/Kamerun.
Die Zustimmung von Adolph Woermann als Vorsitzenden Aufsichtsrat holte ich
persönlich ein. Gehalt monatlich 100 Mark, freie Verpflegung und Reise, damals
der übliche Lohn auch für die jungen Kaufleute.
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![]() Bildquelle: Die deutschen Kolonien Weltbild-Verlag |
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| Afrika-Haus in Hamburg | Adolph Woermann | Afrika-Haus in Hamburg |
Die schlechten klimatischen
Verhältnisse Kameruns waren mir bekannt,
ich wäre auch nicht zurückgeschreckt, wenn mir die Tatsache bekannt gewesen
wäre, dass meine drei Vorgänger, alle aus Hamburg, an Malaria gestorben waren,
daher auch die schnelle Einstellung durch die Gesellschaft.
Am 6. Oktober 1893 fuhr ich mit der "Lulu Bohlen" in einen
Lebensabschnitt
hinein, ohne Ahnung, dass damit über mein ganzes künftiges Schicksal
entschieden wurde. Doch habe ich mir damals als junger Mann von 23 Jahren
keine Gedanken gemacht.
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Wir waren insgesamt 23 Fahrgäste, alle in der Ersten Klasse, darunter allein
16 Angehörige von Missionen, 5 Kaufleute, 1 Beamter und ich als zukünftiger
Pflanzer. Schon in den ersten 12 Monaten starben fünf an Malaria:
3 Missionare, 1 Kaufmann und 1 Beamter. Von den drei Passagieren nach Kamerun lebte nur ich noch.
Die Sterblichkeit an Malaria war in den 90er Jahren noch
groß.
Von der Entstehung der Krankheit wusste man in Laienkreisen nichts, das war
auch nebensächlich, da man die Malariaverbreiter, die Mücken, doch nicht
beseitigen konnte. Und die Vermutung, dass fehlerhaftes Nehmen von Chinin
die Hauptursache des "Schwarzwasserfiebers" ist, ahnte man erst
Ende der 90er Jahre. So waren auch meine drei Vorgänger daran gestorben.
Ich und meine drei Kollegen waren anscheinend immun: die bei
Fieberanfällen
angewandte Pferdekur, ein Teelöffel Chinin in Oblate hat uns nicht geschadet.
Am 5. November 1893 kam ich
auf meinem neuen Arbeitsfeld an. Der Name
"Kriegsschiffhafen" stammte aus dem englischen "Man of war Bay".
In der geschützten
Bucht hatten in den Zeiten des Sklavenhandels die englischen Kriegsschiffe
geankert, die den Handel unterbinden sollten.
![]() Kamerun - Küste |
Die Pflanzung selbst hieß "Bimbia". Die Gesellschaft war von
Adolph
Woermann und
der Firma Jantzen & Thormählen 1885 gegründet. Die Aktionäre waren reiche
Leute,
Parlamentarier, die auf Verzinsung ihrer Einlagen wohl kaum rechneten.
Der Leiter der Plantage, ein Pole, war kein großes Licht, aber dem Klima
gewachsen
und das war damals die Hauptsache. Mit dem Alphabet und dem Einmaleins stand
er auf dem Kriegsfuß, er schaltete und waltete ganz ohne jede Verantwortung und
Berechnung und in Hamburg sah man hilflos zu bis 1893, wo man etwas kritischer
wurde.
![]() Bimbia |
Man wußte nach 8 Jahren nicht einmal, wie groß die Pflanzung ist, wie viel
Kakao- und
Kaffeebäume vorhanden sind. Aber das Gehöft und die Pflanzung selbst waren
mit
Geschick angelegt, allerdings waren die Boden- und Geländeverhältnisse sehr
günstig.
Der Platz war sehr heiß, da der Bergwind in der Nacht nicht herankam. Nach
Gewittern
sah man den Gipfel des Großen Kamerunberges in Schnee gehüllt.
Der Leiter war verheiratet,
damals noch etwas sehr Seltenes, außer bei den Missionaren.
Der Haushalt wurde sehr üppig geführt und gemeinsam alle Mahlzeiten
eingenommen.
Dem Alkohol war der Leiter sehr zugetan, allerdings sah man den Chef nur selten
betrunken. Lucie, seine Frau, schon öfter. Und wenn beide zusammen einen
"Affen"
hatten, war das äußerst drollig.
![]() Oelpalmen - 4 Jahre alt |
Teusz konnte sehr gut mit den schwarzen Arbeitern umgehen. Um den Betrieb
kümmerte
er sich kaum, da ließ er uns freie Hand und ich muss sagen, die Freiheiten
wurden nicht
missbraucht, im Gegensatz zu den anderen Pflanzungen, die damals noch in Kamerun
bestanden. Mit einem Wort: unter Weißen und Schwarzen bestand eine gute
Arbeitsdisziplin.
Morgens um 6 Uhr begann die Arbeit und dauerte mit 2 Stunden Mittagpause bis 6
Uhr abends,
für Weiß und Schwarz.
Über die Ausgaben hat man sich in Hamburg und auch draußen in Afrika in den
ersten
Jahren wohl keine Gedanken gemacht, jedenfalls waren diese immer viel größer
als
die Einnahmen, auch in den seit 1891 eigentlich eingetretenen Vollernten an
Kakao.
1893 hatte man aber wohl eingesehen, dass es so nicht weiter gehen kann. Teusz
hatte
wohl auch durchblicken lassen, daß er mit seinen 48 Jahren amtsmüde ist und
Woermann
schickte als Nachfolger einen ehemaligen Forstreferendar hinaus, der vorher für
ihn
im franz. Kongogebiet Mahagoni geschlagen hatte. Ernst Friederici, 36 Jahre alt,
verließ den Forstdienst und ging durch Vermittlung des Bismarck'schen
Oberförsters Lange,
für die Firma Woermann nach Afrika. Im August 1894 wurde Friederici mein Chef,
ich
zog mit ihm ins Haupthaus und kam mit ihm sehr gut aus.
Es kam ein etwas anderer Geist in den Betrieb. Die Pflanzung wurde vermessen und
Karten angelegt (ich konnte dies dabei lernen), eine Buchführung wurde
eingerichtet
und die heimische Leitung erhielt nach 8-9 Jahren auch endlich Kenntnis vom Stand
der Dinge. Ein Zweigunternehmen der Gesellschaft, der Tabakbau in Kribi/Südkamerun,
war inzwischen aufgegeben, da sich der Boden dafür nicht eignete.
Auch "Kriegsschiffhafen" hatte mit Tabak begonnen, aber Teusz hatte
beizeiten den
Betrieb auf Kakao und eine Kleinigkeit Kaffee umgestellt.
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| Kakao: Blüten und Früchte | Kakaobaum (3 Jahre alt) | 1 Frucht enthält 40 Kakaobohnen |
Die Erwartungen, die man vielleicht auf den neuen Mann daheim setzte, sollten
sich
aber nicht erfüllen. Die hohen Betriebskosten blieben, neue Steckenpferde kamen
hinzu
und die Ernten, über deren Höhe man, mangels Erfahrung und Vergleich mit
anderen
Ländern niemals im Klaren war, überschätzte man.
Mir persönlich ging es in den ersten sechs Monaten gesundheitlich sehr
schlecht.
Ich bekam schon im Dezember 1893 meinen ersten Malariaanfall, dem in der
folgenden Zeit oft neue schwere Anfälle folgten. Die Pferdekur mit einem Löffel
Chinin
brachte mich nicht um, wie meine drei Vorgänger, ich bin anscheinend immun gegen
das gefürchtete Schwarzwasserfieber. Mein Chef hat mir wiederholt den Vorschlag
gemacht,
nach Deutschland heimzukehren, aber ich blieb und habe es nicht bereut.
Im August 1894 ging der alte Leiter Teusz heim und der neue, Friederici, trat
sein Amt an.
Es kam damit etwas mehr Leben ins Haus, Sonntagsbesuch aus Victoria, auch
Kriegsschiffe kamen öfter. Victoria, Sitz des Kaiserl. Bezirksamtmanns, war von
unserer
Pflanzung 1 Stunde entfernt. Der erste Gouverneur, Freiherr von Soden ließ in
dem
idyllisch gelegenen Ort einen botanischen Garten anlegen, aus dem später
die
landwirtschaftlichen Versuchsstationen entstanden.
![]() Sitz des Kaiserl. Gouverneurs in Buea |
1893 gab es noch die Pflanzung "Bibundi" der Firma Jantzen &
Thormählen und die
Pflanzung "Debundscha", eine Gründung des Hamburger Kaufmanns
Dollmann, der
allerdings 1894 wieder verkaufte. Ich will hier auch erwähnen, welche
Unternehmen
die Firma Woermann in Afrika gründete. Im Franz. Kongo, wo die Firma lange vor
der
Erwerbung Kameruns ihren Sitz hatte, besaß sie die Kaffeepflanzung "Sibango",
die
350.000 Mark gekostet hatte und für 30.000 Mark an Herm. Gebauer verkauft
wurde,
der sie aber infolge der Kaffeekrise aufgab. Auch das Sägewerk in Lambarene am
Ogowe
ging ein. Die Versuche mit der Sansiveria-Faser in "Klein-Batanga"
durch den Hamburger
Botaniker und Kaufmann brachten nur Verluste. Eine Vermutung, dass in dem
Seesand
von "Klein-Batanga" Goldspuren enthalten sind, erwies sich als
Täuschung.
Außerdem hatte Woermann in Duala eine Ziegelei, allerdings auch nur
vorübergehend.
![]() Victoria um 1900 |
Meine Anpassung an das Klima Kameruns trat schon im Laufe des Jahres 1894
ein.
Kriegsschiffhafen ist heiß am Tage und auch nachts, denn der Bergwind kommt
nicht heran.
Am Tage 33° im Schatten, 42-46° in der Sonne, in der wir ja arbeiteten.
Natürlich wurde
von uns Weißen keine körperliche Arbeit verlangt, tat man es einmal im
jugendlichen
Ungestüm, dann lag man bestimmt bald danach auf der Nase. Aber von 6 Uhr früh
bis
6 Uhr abends waren wir in der Plantage mit 2 Stunden Mittagpause. Ich glaube, dass
auf der
Bimbia-Pflanzung am meisten von allen Kameruner Betrieben gearbeitet wurde. Auch
unter den Arbeitern war gute Arbeitsdisziplin, insofern hatte ich eine gute
Lehre und
ich habe auch später unter meinen weißen Angestellten und schwarzen Arbeitern
immer
auf genaueste Ordnung gehalten.
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In den Tropen neigen viele Weiße leicht zum Bummeln und missbrauchen die ihnen
gewährten
Freiheiten. Ich habe später, im Laufe der Jahre, viel Bummelei auf anderen
Unternehmungen
festgestellt. Oft haben die Leiter und Angestellten gute Stellungen verscheut.
Der "Suff"
ist in den heißen Tropen ein schlimmes Laster und mancher tüchtige Mensch ist
daran
gescheitert. In "Kriegsschiffhafen" und auch später in "Oechelhausen"
kam zum
Frühstück Bier und Schnaps, zum Mittag Wein und abends wieder Bier auf den
Tisch,
aber niemals wurde damit Missbrauch getrieben. Natürlich ist es ab zu zu
vorgekommen,
daß bei Besuchen, namentlich von Kriegsschiffen, einmal über die Stränge
geschlagen
wurde, zumal infolge der freien Station der Spaß nichts kostete, aber das waren
Ausnahmen
und der Dienst litt nicht darunter.
![]() Besuch war immer gern gesehen |
Die Zeit läuft in Afrika schneller dahin, als in der Heimat. Man nimmt an, durch
die kurzen Tage,
denn die Tage und Nächte sind fast gleich lang. Ich habe auch nie bemerkt, dass
Pflanzer
oder Kaufleute Sehnsucht nach der Heimat geäußert haben und Heimfahrende
beneidet hätten.
Meine drei Vertragsjahre
waren im November 1896 um. Friederici ließ mir nun die Wahl,
entweder heimzugehen oder ihn auf seinem Urlaub zu vertreten. Ich fuhr am 9.
November 1896
mit der "Gertrud Woermann" heim. Zunächst als einziger Passagier,
später kamen noch zwei
hinzu, das Schiff war auch fast ohne Ladung und wir haben im Laufe der Reise ein
Boot
mit Piassava und in Madeira etwas alte Eisenschienen geladen. Um dieses Manko zu
verschleiern, fuhr das Schiff langsam von einem Hafen zum anderen. In Lagos
lagen wir
neun Tage umsonst, in Cap Palmas 3, nur um das Boot mit Piassava (20 Mark
Fracht)
und in Teneriffa, Las Palmas und Madeira je einen vollen Tag.
Aber da man an
Bord gut isst und auch sonst alle Bequemlichkeiten hat,
wurde uns drei Passagieren die
Zeit nicht
lang.
Die folgenden Aufnahmen brachte mein Großvater von den unfreiwilligen
langen Aufenthalten dieser Heimreise mit.
![]() Gran Canaria - Las Palmas |
|
![]() Gran Canaria - Las Palmas |
![]() Calle Mayor de Triana |
Puerto de la Luz - Gran Canaria |
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![]() Teneriffa - Hafen |
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![]() Funchal - Madeira |
![]() Santa Cruz - Pico de Teide |
Kapitän, Arzt und 1 Maschinist waren gute Gesellschafter, hatten ja auch sonst
nichts zu tun.
Im Englischen Kanal packte uns nun noch der Nebel und wir trieben 48 Stunden
darin
herum, bis wir an die westfriesischen Inseln kamen. Die Sirene war kaputt, auch
das
Nebelhorn und es schlug nur noch die Schiffsglocke an. Aber es ging alles gut
und
am 22. Dezember 1896 kamen wir abends um 7 Uhr nach 42 Tagen in Hamburg an,
bei 7° Kälte. Mein Mantel war mir zu klein geworden, er war auch 10 Jahre alt.
Ich hielt mich zwei Tage in Hamburg auf, musste Adolph Woermann und die Firma
Jantzen & Thormählen aufsuchen, Geld aufnehmen und Verabredungen für die
Wiederausreise treffen, die auf den 9. April 1897 festgesetzt wurde.
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||
| Als
Lehrling kam ich bei Botengängen in dieses Kontorhaus und war
begeistert von den Elefanten vor der Tür. Ich erzählte es meinem Großvater und er sagte mir dann, dass er das Haus gut kenne, denn er ist jedes Mal hier durch gegangen, wenn er zu Adolph Woermann ging, um ihm zu berichten und neue Termine abzumachen. (Anmerkung von Cekora) |
|||
Am 1. Weihnachtstag mittags kam ich in meiner Heimatstadt Weißenfels/Saale an. Die
Freude
meiner Eltern war groß, wir hatten uns über vier Jahre nicht gesehen. Die
Urlaubsmonate
gingen schnell hin. Ich machte mit der Firma einen neuen Vertrag auf drei Jahre
mit
einem Gehalt von 2100 Mark, später erhöhte sich das Gehalt auf 2400 Mark und
dann
noch mal auf 2700 Mark einschl. freie Reise und Verpflegung.
Diesmal war ich natürlich besser ausgerüstet als 1893. Vater, der
Herrenschneider war,
machte mir weiße
Anzüge und für den Arbeitstag helle Drellhosen,
ein Schuster fertigte derbe
Lederstiefel an.
Die Stiefel kosteten 12 Mark. Interessant war für mich, daß sich der Preis bis
zum Jahre
1913 nicht geändert hatte.
![]() "Lucie Woermann" und "Eleonore Woermann" treffen sich in der Elbmündung Im Vordergrund ein Finkenwerder Fischkutter |
Am 9. April 1897 trat ich mit der "Helene Woermann" meine zweite
Kamerun-Fahrt an.
Der Kapitän Held sagte mir: "Hoffentlich haben wir in der Biskaya gutes
Wetter, das
Schiff ist überladen". Bis an die Reling lag auf dem Ladedeck Kohle und
darauf noch
ein Leichter und eine Barkasse, und um die Reling herum standen große Fässer
mit Sprit.
Aber alles ging gut; ich habe bei den 16 Reisen von und nach Afrika die Biskaya
nur
1893 stürmisch angetroffen.
Um 1897 herum trat Kamerun
in seine Gründerperiode ein. 1896 hatte Prof. Wohltmann
Kamerun besucht und die Werbetrommel gerührt. Es kam neues Leben in die
Kolonie.
Die Regierung baute in Victoria Wohnhäuser für Beamte. Nach Buea, dem
geplanten
neuen Regierungssitz wurde eine Straße gebaut und in Buea selbst, 1000 m hoch
am
Großen Kamerunberg gelegen, entstanden die ersten Bauten für Beamte. Auch
Allgäuer Rindvieh kam nach Buea. An neuen Plantagengesellschaften entstanden
"Victoria" und "Bibundi". In das Schicksal letzterer wurde
ich 1913-1914 und 1925-1926
verstrickt. "Bibundi" machte noch einmal verlustreiche Versuche mit
Tabak.
Bald nach 1897 entstanden
noch weitere Pflanzungsunternehmen, so daß ein Geldstrom
in die Kolonie einfloss. Auch zwei weitere Handelsgesellschaften entstanden: die
Gesellschaft NORDWEST-KAMERUN mit Handelsmonopol in ihrem Gebiet, in dem
es gar nichts zum "Handeln" gab und die samt ihrem Kapital von 2 1/2
Millionen Mark
leise verschwand. Ferner die Kamerun-Hinterland-Gesellschaft, Gründung eines
Berliner Oberlehrers, die auch schnell einpackte.

Im Süden von Kamerun, an der sogenannten Batangaküste blühte um 1896 herum
der
Gummihandel auf und die Kaufleute machten ungefähr bis 1910 gute und auch sehr
gute
Geschäfte, bis der Kautschuk aus Ostasien alles über den Haufen warf. Solange
nur
Brasilien den Bedarf an Kautschuk deckte, kostete ein Kilo guter HEVEA-Kautschuk
um 1897 herum 14 Mark und der geringe von Kixia aus Afrika 7 Mark das Kilo.
Um 1913 kam Kautschuk aus Asien 2 Mark das Kilo, Kamerun-Kautschuk wurde
unverkäuflich und Brasilien hörte ganz auf. Auch in Kamerun wurden noch lange
Jahre
hindurch Millionen von kixia elastica angepflanzt, auch hevea
brasiliensis, alles erwies
sich als Fehlschlag, denn die Preise sanken für besten Kautschuk bis auf 0,40
Mark per Kilo.
Nicht viel anders ging es mit Kaffee. Wir hatten auf der Pflanzung außer
250.000 Kakao-Bäumen
noch 17.000 Kaffeesträucher. Nun fielen die Kaffeepreise 1895 von 92 Mark auf
28 Mark
infolge Überproduktion in Brasilien. Da auf bessere Preise nicht zu rechnen
war, schlugen
wir 1898 die nicht mehr abgeernteten Büsche ab und pflanzten Kakao.
1895 legte ich in Kriegsschiffhafen einen großen Gemüsegarten an. Für den
Anbau von
Früchten hatte Teusz schon reichlich gesorgt. Ananas, Apfelsinen, Zitronen,
Mangos,
Avocadobirnen, Melonen waren reichlich vorhanden.
Friederici legte eine Schweinezucht an, ich brachte die Hühner und Entenzucht
wieder in gang, so dass wir mehr von den Konserven abkamen, die,
so unglaublich es klingt, fast ausschließlich Nahrung der Weißen in
Kamerun war.
Daran hat sich bis 1914 wenig geändert.
![]() Weintrauben (blau und weiß) aus dem Urwald |
![]() Bananen von der Plantage |
Am 9. Mai 1897 ging
Friederici in Urlaub und blieb bis Januar 1898. Ich übernahm nun
die Leitung von Kriegsschiffhafen und Bimbia. Die Ernte 1897 war gut, was
natürlich
nicht mein Verdienst war. Auch die Preise waren besser als in den
Vorjahren,
Kakao kostete 85 Mark der Zentner, statt 55 Mark. In der Beschaffung von
Arbeitern entstanden Schwierigkeiten.

Plantage Debundscha - Kakaodarre
Liberia stoppte die Anwerbung, die Neugründung von Plantagen,
der Gummihandel im Süden erschwerte den Zulauf von Leuten von
dort
und die Folge war, daß auch wir an Löhnen sparten, weil wir nur wenig Leute
beschäftigten.
Es kam also, daß den Mehreinnahmen geringere Unkosten gegenüber standen und
die
Kamerun- Land- und Plantagengesellschaft ihr bestes Geschäftsjahr erlebte und 8
%
Dividende verteilen konnte. Ich selbst erhielt 500 Mark Gratifikation. Nun
planten
auch noch zwei Aktionäre der K.L.+Pl.Ges. eigene Plantagen und auch einige neue
Gesellschaften entstanden. Kurz und gut, es kam Leben ins Land und Gouverneur
Puttkamer
konnte Erfolge für sich verbuchen, obgleich ihm kein Verdienst dabei zukam.
Auch die Woermann-Linie blühte auf, die Schiffe waren voll Ladung und
wurden,
kaum entladen, wieder hinausgejagt, so dass mich 1899, als ich vor der Heimreise
stand,
Kapitän Nissen warnte, mit einem Woermann-Dampfer zu fahren.
Dieser Warnung lag folgender Vorfall zu Grunde: Kurz vorher war ein Dampfer der
Ostlinie
in der Straße von Messina untergegangen und als Sündenbock war der 1.
Maschinist Sonntag
vorgeschoben. Als ich 1899 heimfuhr, sagte mir der 1. Maschinist Hantsch vom
"Eduard Woermann":
"Seit drei Reisen melde ich schon, daß die Pumpen im Schiff nicht in
Ordnung sind und wenn
der Kahn leck wird, dann saufen wir ab, wie der Ostafrikaner, getan wird am
Schiff nichts".
Aber wir hatten Glück.

Die Woermann-Dampfer blieben draußen auf Reede liegen.
Es wurde dann mit Booten geleichtert und ausgeschifft.

Im Januar 1898 kam
Friederici wieder und nahm seinen Büroschemel wieder ein. Ich trat
meinen Dienst im Außenbetrieb wieder an. Das Verhältnis zwischen den
Behörden, den
Pflanzungen und Kaufleuten wurde durch den lebhaften Betrieb im Lande
schlechter, die
"Flitterwochen" der Kolonie waren vorüber. Puttkamer hatte, wie er
mir bei einem Besuch selbst
sagte, die untauglichen Beamten entlassen, aber die neuen sind auch nicht
besser.
1898 im September kam die Wendung in meinem Leben. Der Geheime Kommerzienrat
Wilhelm Oechelhäuser in Dessau (Continentale Gasgesellschaft) hatte im Kolonialsamt
in Berlin ein 2000 ha großes Stück Land für 5000 Mark gekauft und in einem
Schreiben
Friederici gebeten, ein Gutachten darüber abzugeben.
Friederici beauftragte mich mit der Untersuchung des gekauften Landes, welches
am
Kleinen Kamerunberg liegen sollte. "Sollte", denn kein Mensch wusste, wo
das Land lag,
auch der Käufer nicht und nur durch Zufall erfuhr ich es.
Ich fuhr mit einigen Arbeitern im Boot nach Isongo, einem Vorwerk der
Bibundi-Gesellschaft
und suchte nun mit Kompass und Messband den ersten Winkelpunkt, mitten im
Urwald,
200 m über der See und 5 km von Isongo entfernt.
![]() Wete-Wete-Bucht |
Ich hielt das Land für geeignet, berichtete dies an den Besitzer und bewarb mich
gleichzeitig um den Posten als Leiter der
anzulegenden Kakaoplantage.
Oechelhäuser nahm meine Bewerbung an und teilte mir telegrafisch
die
Entbindung von meinem Vertrag mit der K.L.+Pl.Ges. mit. Ich ging ungern von
Kriegsschiffhafen fort, aber Friederici hatte die Absicht, noch 8 Jahre zu
bleiben, deshalb
hatte ich keine Aussicht auf eine Verbesserung.
In "Oechelhausen", so hieß die neue Pflanzung, kam ich in gänzlich
veränderte Verhältnisse,
längst nicht so bequem, wie in der alten Stellung, aber die Selbstständigkeit
lockte, auch
das höhere Gehalt, zuerst 5000 Mark, freie Station und freie Urlaubsreisen.
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![]() |
| Erste Anfänge | Die ersten Gebäude stehen |
![]() Die Mannschaft ist vollzählig angetreten |
Die erste Arbeit war ein 5
1/2 km langer Weg vom Landungsplatz Isongo nach
Oechelhausen durch den Urwald, dann Bau eines kleinen Wohnhauses und eines
Hauses
für die Arbeiter.
![]() Kakao-Darre |
![]() Wohnhaus mit Kl. Kamerunberg |
![]() Wohnhaus mit Kötheberg |
![]() Wirtschaftsgebäude |
Während die jährlichen
Regenmengen in Kriegsschiffhafen 4000 mm betrugen, hatte
Oechelhausen 6700-11.400 mm und war also einer der regenreichsten Orte der Erde.
Auch die Vegetation war eine ganz andere als in Kriegsschiffhafen.
Im Wald fand ich eine kleinbohnige Kaffeeart, an Waldrändern drei Arten
Begonien,
eine Gesneria, Impatiens, Coleus, Alternanthera.
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Baumwollbaum (Kapok) |
Die Eisenholzbäume
waren selten, dafür reichlicher Akazien und eine Art Johannisbrotbaum.
Schwierig war anfänglich die Trinkwasserfrage, bis später eine Quelle mit
12.000 Liter
täglich gefunden wurde, die ich durch eine Leitung an die Siedlung
heranbrachte.

Familie Essack, unser Hauspersonal

Jäger Böhmer mit einer Hornviper.
Von Hamburg kamen zwei Weiße: Ein Zimmermann, der den Hausbau übernahm
und
ein Gärtner. Mit beiden war nicht viel anzufangen. Ich war froh, als ich sie
nach 1 1/2 Jahren
wieder los wurde. Es ist leider so, daß von den meisten Angestellten immer
nur
die Hälfte brauchbar ist. Mit den beiden neuen Assistenten Heberling und Fehse,
beide
erst im Herbst 1899 von den 12. Husaren in Weißenfels entlassen, hatte ich
Glück.
Beide waren sechs Jahre auf der Pflanzung. Im Sommer 1900 kam noch mein
Bruder Ernst hinzu, der am 23. Juli 1908 draußen starb, vermutlich an einem
Schlaganfall.
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| Ernst Köthe | Links Assistent F.
Fehse aus Halle Rechts mit den Hunden Hausjunge Hans |
Otto Köthe |
Die beiden Dalmatiner
Fischerhunde wurden meinem Großvater vom Zoologischen Garten
in Berlin zur Verfügung gestellt, um sie auf Tropentauglichkeit zu testen.
(Anmerkung Cekora)
Durch das Entstehen neuer
Pflanzungen, Gesellschaften und Privaten entwickelten sich die
Arbeitsverhältnisse sehr ungünstig. Liberia machte die Beschaffung von
Crewleuten unmöglich,
auch Togo versagte vorläufig, im Süden blühte der Handel mit Kautschuk, der
viele Träger
erforderte und das Hinterland war zu wenig aufgeschlossen, um Plantagenarbeiter
in
größeren Mengen zu stellen, es sah also für unseren Anfang, aber auch auf den
anderen
Unternehmungen, trübe aus.
![]() |
![]() |
Die jüngsten Bewohner von Oechelhausen
Um Arbeiter anzuwerben fuhr ich auf Vorschlag des Gouverneurs v. Puttkamer nach
Lagos,
der Residenz von Nigeria (damals engl. Kolonie), wohnte dort bei dem Vertreter
der
Firma Witt & Büsch, gleichzeitig deutscher Konsul.
Lagos war vielleicht die größte Stadt der afrikanischen Westküste und der
größte Handelsplatz.
Aus den großen Städten der Kolonie wandern die Neger an die Küste und
müssen, wohl
oder übel, ihren Lebensunterhalt hier suchen, in den Faktoreien, bei den
Behörden
und im Schiffsverkehr.
Das Leben war in Lagos billig, mit 10 Mark im Monat kann ein Schwarzer leben,
aber auch
diese müssen erst verdienst werden und, da nicht alle Arbeit finden, ist es
möglich,
Arbeiter anzuwerben.
![]() Faktorei |
Der Aufenthalt, sechs Wochen, war sehr lehrreich für mich. Man merkte schon an
den
Lebensmittelpreisen das reiche und aufgeschlossene Hinterland. Die Kaurimuschel,
aus
Ostafrika eingeführt, ist auf dem Markt für Lebensmittel noch als Geld üblich,
schon dadurch
kann man Kleinvieh, Hühner, Eier usw. billig kaufen, im Gegensatz zu Kamerun,
wo es
derartige Verpflegungsmöglichkeiten nur im Innern, niemals an den Küstenorten,
gab.
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![]() |
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| Emma und Otto
Köthe vor der Küche |
Emma Köthe mit ihrem Federvieh | Emma und Otto
Köthe vor dem Wohnhaus |
Umständlich, wie nun einmal die Engländer sind, war auch die Beschaffung der
Arbeiter.
Zuerst musste der Gouverneur, dann der Chef der öffentlichen Arbeiten, befragt
werden.
Vom letzteren bekam ich die Antwort: "Nimm soviel Leute, wie Du brauchst,
aber sorge
dafür, daß sie nicht so schnell wieder kommen."
Auf dem Gericht musste ich mit den Leuten einen Vertrag machen,
in dem der Lohn (20
Mark/Monat) und freie Verpflegung festgesetzt wurden.
Ich ging mit einer Anzahl Arbeitern nun nach der Pflanzung und bekam bald noch
Leute
nachgeliefert, so daß ich mit 380 Mann die Arbeiten flott beginnen konnte.
![]() Mittagspause |
![]() . . . und es wurde gerne getanzt |
Nun kam ich auch dahinter,
was es heißt, Menschen aus einer englischen Kolonie zu
beschäftigen, wobei allerdings berücksichtigt werden muss, daß ein Teil davon
Gesindel
war, aus irgendwelchen faulen Gründen in die Großstadt geflüchtet und auch
hier sich
nicht sicher fühlend. Sehr anständig benahmen sich die 60 Mohammedaner, am
ruppigsten die wenigen Christen. Jedenfalls verging eine geraume Zeit, ehe die
Leute
sich an die von mir eingeführte Ordnung gewöhnt hatten. Ich gab ihnen mehr
Essen als
üblich, hörte mir ihre ewigen Wünsche an und tat sie mit einem Witz ab und
kam dahin,
daß ich tatsächlich auch später nie bessere Arbeiter gehabt habe.
Die anderen Pflanzungen sind nie mit den Leuten einig geworden.

Besuch
Nach 2 Jahren waren die Verträge abgelaufen und alle Versuche, wenigstens einen
Teil
der Arbeiter länger zu behalten, hatten keinen Erfolg. Das ist bei allen
Stämmen so, ist die
Zeit um, dann ist der Neger "müde", wie er das nennt und will erst mal
seinen Verdienst
aufbrauchen, was oft nur wenige Tage dauert.
In Zukunft nahmen wir unsere Arbeiter aus dem Lande und ich bin nie damit knapp
gewesen, trotzdem ich die dem Neger so liegende Bummelei in Oechelhausen nie
einreißen ließ.
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Aus Pinneberg brachte
mein Großvater sich Rosen mit und hat sie mit viel |
1902 fuhr ich im April in
Urlaub und kam am 3. Mai, dem Geburtstag meiner Mutter,
in Weißenfels an. Im Juni fuhr ich zur Berichterstattung nach Niederwalluf am
Rhein
und sah den alten Geheimrat Oechelhäuser zum letzten Mal, er starb im September
1902.
Die beiden Söhne, Generaldirektor Wilhelm v. Oechelhäuser und Prof. A. v.
Oechelhäuser
sicherten mir die Fortführung des Betriebes zu. Mein Vertrag wurde auf 10 Jahre
verlängert,
das Gehalt erhöht. Inzwischen hatte ich geheiratet und nun nahm ich meine junge
Frau Emma
mit nach Kamerun.

Emma Köthe
Meine Frau passte sich den
oft schwierigen Verhältnissen in Kamerun sehr gut an,
war nie krank und immer um ihre Pflichten als Vorsteherin des Haushaltes
bemüht,
was bei dem schwarzen Personal (Koch, Waschmann, Hausjungen) manchmal nicht
so einfach war.

Diesen Schrank fertigte der schwarze
Zimmermann Franz an.
Er konnte nicht lesen und schreiben, aber seine Arbeiten waren hervorragend.
Den Teller über dem Schrank machte auch ein Schwarzer. Er hängt heute noch bei
mir zu Hause!
(Anmerkung Cekora)

Doch nun weiter zu den Aufzeichnungen
meines Großvaters:
Auch 1905 fuhr ich im Mai in Urlaub und erkrankte auf der Rückreise nach
Kamerun
an Lungenentzündung und Filaria, kam am 1.11. ins Krankenhaus Duala, schwebte
einige Wochen zwischen Leben und Tod, wurde aber Dank der Kunst von Prof.
Ziemann
wieder gesund und konnte am 21. Mai 1906 wieder nach Oechelhausen, was mein
Bruder Ernst verwaltet hatte. Während meines nächsten Urlaubs im Jahre 1908 starb
mein Bruder und so reiste ich nach einem sehr verkürzten Urlaub schon im August
1908
wieder nach Kamerun.
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Weihnachten auf Oechelhausen
- Eine Palme mit Kugeln ersetzt den Tannenbaum
Eine nochmalige Verlängerung des am 15.12.1908 ablaufenden
Vertrages lehnte ich ab, versprach aber, bis zum Mai 1910 zu bleiben, was immer
schon
seit Jahren meine Absicht war. Mit dem früheren Mitarbeiter, Herrn Karl
Luckhardt,
leitete ich Verhandlungen ein, um meinen Posten dann zu übernehmen, was auch
geschah.
![]() Luckhardt mit einem Stelzenbaum |
Am 1. Mai 1910 gab ich die
Stellung auf und fuhr mit meiner Frau am 9. Mai heim.
Dass ich Kamerun noch zweimal wiedersehen würde, ahnte ich damals nicht.

Soweit zunächst der Bericht über die
Kamerun-Zeit von 1893 - 1910
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Später kam Otto Köthe noch zweimal nach Kamerun, wie schon im Bericht
erwähnt.
Hierüber bestehen nur noch kurze Aufzeichnungen, die man auf der nächsten
Seite findet:
(1913/1914
und
1924/1925)
Karten Kamerun
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